Die interessanten Verbindungen zwischen der Roma-Kultur und dem Übersetzen

Wir von Translation Romani  haben uns dazu entschlossen, den Begriff Romani in allen Sprachversionen der Website beizubehalten. Er bezieht sich sowohl auf die Sprache als auch auf all die verschiedenen ethnischen Gruppen der Welt, d.h. Roma, Sinti, Manuš, Calé, Romanichal, Kalé und viele andere. Bitte lesen Sie die wichtigen Hinweise unserer Übersetzer zu Erklärungen und anderen Übersetzungen, die lokal, regional oder national verwendet werden.

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Mündliche Überlieferung

Die formalwissenschaftliche Erforschung der mündlichen Überlieferung sowie der „Genres“ und Vorgänge, die diese definieren, begann in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufzublühen. Sie stütze sich weitgehend auf die Werke von Parry & Lord, Walter Ong, Ruth Finnegan und John Miles Foley, um nur ein paar zu nennen. Die anfängliche Forschung in den Balkanstaaten führte zu weiteren Untersuchungen mündlich überlieferter Geschichte  in Afrika, Australien, Lateinamerika sowie bei verschiedenen indigenen Völkern auf der ganzen Welt. Davor betrachtete man Kulturproduktion hauptsächlich in Zusammenhang mit der Literatur. Das Hauptaugenmerk lag auf anerkannten historischen Werken, produziert von einer gebildeten Elite, bei der der geschriebene Text gegenüber mündlicher Überlieferung absoluten Vorrang hatte, denn dieser wurde lediglich folkloristischer und volkstümlicher Status zugeschrieben. Viele Kulturen gründen jedoch auf mündlicher Tradition. Ein reichhaltiges Repertoire an Geschichten, Legenden, Mythen, Sprichwörtern, Gedichten, Liedern und Spielen überträgt soziales Wissen wie Verhaltenskodizes von Generation zu Generation. Die Untersuchung mündlicher Erzählungen enthüllt einzigartige, hochentwickelte Systeme verbaler Strukturen und Muster (mnemonisch, formelhaft, rhythmisch) in Verbindung mit verschiedenen Wahrnehmungsstrukturen (auditiv, kinetisch, visuell, taktil, somatisch). Diese Aspekte machen jede mündliche Erzählung sowohl zu einer stetigen Verbindung mit der Vergangenheit als auch zu einer kreativen und kollektiven Beteiligung in der Gegenwart. Vertreter der Oral History erforschen die Lebensgeschichten von Individuen und Gemeinschaften zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort und in Bezug auf die historischen Kontexte, die sie umgeben. Zu diesen Erzählungen gehören Erfahrungs- und Augenzeugenberichte. Bei der Dokumentation mündlicher Überlieferung von Traditionen und Geschichte können interessante Einblicke gewonnen werden, jedoch sind auch einige Schwierigkeiten zu überwinden. Das Sprechen muss in schriftlicher Form transkribiert werden, dazu zählt auch der Vermerk von Ellipsen, Pausen und Gesten. Zugleich fechtet die nicht-lineare, dynamische und interaktive Natur von Mündlichkeit die Sequenzialität und das Prinzip individueller Urheberschaft an, da sie generell Adaption, Innovation und alternative Versionen zulässt. Und schließlich sind die Methoden oft subjektiv und abhängig vom Verhältnis zwischen dem Forscher und dem Probanden, was zur Erstellung von Richtlinien zu ethischen und rechtlichen Folgen geführt hat.

Die große Menge mündlich überlieferter Geschichten, Legenden, Erzählungen und Traditionen der Romani-Gemeinschaften wird seit 150 Jahren von Volkskundlern, die nicht den Romani angehören, sowie Forschern dokumentiert. Die Kategorien und Referenzrahmen, die bei ihrer Transkription, Analyse und Präsentation angewandt werden, erscheinen manchmal tatsächlich veraltet und fremdartig. Da die Zahl der Romani-Forscher und deren Beiträge stetig zunehmen und mehr Werke transkribiert, übersetzt und untersucht werden, wird das aktuelle Klassifizierungssystem möglicherweise verändert. Ungeachtet dessen sind laut Bakker & Kyuchukov (2000: 48-56) die zwei am meisten formalisierten Kategorien paramisa / paramiča ("Erzählungen") und gil`a / dija ("Lieder") mit möglichen Unterkategorien wie bare paramisa ("lange Erzählungen"), xarne ("Kurzgeschichten") oder vitezika paramisa ("Heldengeschichten").      

Andere vorgeschlagene Kategorien sind das divano ("Gesellschaftskritische Geschichten") in den Kalderaš-Gemeinschaften, god`aver ("Sprichwörter" oder "kluge Worte"), garadino alav ("Rätsel"), darunter die beliebten Versionen des Sprachspiels sar pes phenel - s`oda hin? ("Wie sagt man dazu? Was bedeutet das?"). In den Großfamilien sind Geschichten und Erzählungen über die mule ("Geister der Toten"), čohaňa ("Hexen") und sune ("Träume") weitverbreitet. Beim Überschreiten von Grenzen spielen Geschichten und Legenden natürlich eine große Rolle. So haben statistische Analysen über indische, persische, türkische und Romani-Geschichten, die der Forscher Heinz Mode durchgeführt hat, ihn inspiriert, eine Hypothese aufzustellen. Laut dieser Hypothese trugen die nach Europa emigrierten Romani-Gruppen dazu bei, die frühen Modelle und Motive indischer Geschichten auf dem Kontinent einzuführen und zu verbreiten, was daraufhin die Erzähltraditionen vieler Länder nährte. Dora Yates und Diane Tong sind zwei sehr bekannte Forscherinnen, die Romani- paramiča dokumentieren.  

Literaturhinweise:

Bakker, Peter and Kyuchukov, Hristo (eds), "Romani Folklore" in What is the Romani language? (Paris / Hertfordshire: Centre de recherches tsiganes / University of Hertfordshire Press, 2000).

Belišová, Jana (ed), Phurikane gil`a - Ancient Roma Songs (Bratislava: Zudro Association, 2005). Available online.

Bernal, Jorge (ed), Le Paramícha le Trayóske - Los cuentos de la vida. Selección de Cuentos Gitanos. Rromanés-Castellano (Buenos Aires: Comisión para la Preservación del Patrimonio, 2005). Available online.

de Gila, Vania (ed), La Prière des Loups. Récits tsiganes. Edition bilingue., "Tradition Orale" (Port-de-Buc: Éditions Wallâda, 2005)

ROMBASE, "Oral Literature", University of Graz, Austria. Available online

Rromane Garadune Lava - Roma Találós Kérdések - Rromani Riddles(Budapest: Romano Kher, 1999)

Sijerčić, Hedina (ed), Romani Folktales series. Bilingual. Gurbeti dialect. (Toronto: Magoria Books, 2009)

Sijerčić, Hedina (ed), Rromane Paramicha. Stories and Legends of the Gurbeti Roma. Bilingual. English and Gurbeti dialect. (Toronto: Magoria Books, 2009)

 


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